Gleichheit unter Schmerzen

Und da findet sich auch der erste Hinweis für die Vermutung, dass es bei der Ablehnung des Feminismus nicht um inhaltliche, sondern eine emotionale handelt. Und so geht es ans Eingemachte. Die Teilnehmer berichteten von ihrem Dasein als frauenferne Nerds, von den Demütigungen in der Pubertät und der gefühlten Ohnmacht gegenüber Frauen. Es wird deutlich: Mit der Behauptung Frauen seien strukturell benachteiligt wird die eigene Erfahrung konterkariert, der Schmerz, die Demütigung scheinbar negiert.

Quelle: Telepolis

Was passiert, wenn man einen Haufen Nerds nimmt, sie in einen Raum lockt und über Equalismus spricht? Anscheinend erzählen die Dinge die einen dann zu einer interessanten These bringen: Männliche Nerds sind irrational, da emotional, antifeministisch, da sie nicht mit Frauen umgehen könne. Genauer: Wenn ich mit 16 keine abbekomme kann ich mit 26 nicht sehen, dass in dieser Gesellschaft so einiges schief läuft.

Das finde ich, um es freundlich auszudrücken, provokant. So zumindest formuliert es Julia Schramm (@laprintemps) in ihrem Artikel auf Telepolis. Da die gute im Moment wohl Emanzipation und den Feminismus für sich entdeckt hat ist das wohl im Moment ganz ihr Thema. Wobei ihre Blog Artikel auch eher etwas sind was der normale Durchschnittsleser wohl besser mit gezücktem Bleistift zum markieren und einem Glas Rotwein genießt.

Doch zurück zu dem doch eigentlich so schönen Thema Equalismus. Nehmen wir mal das Thema strukturelle Benachteiligung, weil ich denke das das auf jeden Fall etwas ist das überhaupt nicht für eine emotionale Herangehensweise taugt. Fakt ist, das z. B. Frauen immer noch weniger verdienen als Männer in gleicher Position und mit gleicher Qualifikation. Fakt ist auch das es dafür keinen Begründung gibt, die am Anfang des 21. Jahrhundert noch irgendwas bedeutet. Und aus diesen Fakten entsteht nicht nur das Gefühl der Ungerechtigkeit, sonder der Fakt das dies nicht Gerecht ist.

Daneben sehe ich es auch als Fakt an das Nerds und vor allem Leute die auf einer OpenMind rumhängen doch sehr gebildete Menschen sind. Das heißt auch das sie die beiden vorher genannten Fakten nicht einfach aus emotionalen Gründen ignorieren können. Und mal im Ernst, das ist doch kein Haufen von antifeministischen Psychos? Oder doch? Ich war ja nicht dabei, aber so sehr kann dort die Atmosphäre doch nicht gekippt sein.

Meines Erachtens hat das Eine mit dem Anderen gar nichts zu tun. Persönliche Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht und daraus evtl. entstandene Verletzungen sollten nie einen Einfluss auf die tief sitzende Weltsicht haben. Tatsächlich würde diese Beobachtung nämlich bedeuten das es nicht wenige Menschen gibt, für die der Schluss “ich habe Schmerzen erfahren, daher sehe ich deine nicht” als Lebensmotiv funktioniert. Und wenn wir immer noch da sind, dann ist sehr viel in unserer Gesellschaft schief.

Ich hoffe irgendwie inständig das dieser Punkt falsch ist, weil ich doch hoffe das es in der Allgemeinheit dieses beschriebene Handlungsmotiv so nicht gibt. Und erst recht nicht unter Nerds. Gleichheit muss im Zweifel auch unter Schmerzen ein hohes Gut bleiben. Und ich hoffe auch das ich das nicht nur so sehe weil ich mit 16 eine Freundin hatte.

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