Die Not mit dem Spiegel

Jetzt tut er das schon wieder. Da bin ich gerade fertig das Zeug von Gestern zu vearbeiten da kommt der nächste Artikel. Und diesmal wird es noch schöner.
Also kurz zur Erinnerung, der nette Klaus Lüber schreibt auf Spiegel ONLINE einen zweiteiligen Aritkel über Linux, der allerdings sehr komisch und sehr negativ ist. So möchte ich das hier also nicht stehen lassen, daher schreibe ich einfach mal meine Meinung. Den zweiten Artikel mit dem Titel “Die Not mit dem Retter” gibt es übrigens hier.
Naja, auf jeden Fall beginnt er seinen zweiten Artikel damit das sein armer Windows Umsteigler, der ja so viel gelernt hat, nach einem Systemupdate sein Modem nicht mehr benutzen konnte und dann wieder zurück zu Windows kriecht. Das er etwas gelernt hat scheint aber doch nicht der Fall zu sein denn der Author schreibt das der Nutzer immer noch hilflos ist. “Dabei entpuppt sich sein angebliches Computerwissen als hilfloses Abarbeiten kryptischer Befehlszeilen” klingt nicht gerade nach einem Experten oder jemandem der überhaupt etwas verstanden hat. Wenn er gefragt hätte, hätte ihm bestimmt jemand diese kryptischen Zeilen erklärt. Aber Updates sind ja sowieso eine Sache für sich. Nach dem letzten Windows Upgrade das ich betreuen musste, XP SP 2 für meinen Vater, hat sich das System überlegt das es jetzt immer eine geschlagene viertel Stunde zum booten braucht. Und daran habe sogar ich mir die Zähne ausgebissen, weil man bei Windows nicht nachschauen kann was hinter der Kulisse passiert und warum das System einfach einen Mittagsschlaf hält. Naja, ich habe es nicht gefunden und einfach aufgegeben, weil ich keine Zeit und Lust hatte das System neu zu installieren. Also, upgraden ist bei jedem Betriebsystem gefährlich, daher ja auch “never touch a running system”. Wenn man den guten Karl alias “Raptor” fragt warum er sein System upgegraded hat, dann wird er wahrscheinlich nicht mal einen ordentlichen Grund haben. Wenn’s funktioniert und nicht unsicher ist fass es nicht an, aber das kann man den ganzen pseudo Computerfreaks nicht beibringen. Bzw. ist es ja auch in Ordnung immer auf dem neuesten Stand sein zu wollen, aber dann muss man auch mit Problemen leben. Oder fährt hier irgendwer Longhorn Beta (die ja bekanntlich est 2010 kommt) und erwartet das es perfekt funktioniert?
Natürlich weiß ich das man keine perfekte Software schreiben kann, aber eine generelle Erwartungshaltung gegenüber der Software die ich benutze habe ich schon. Daher verstehe ich die Schiene nicht, das die modernen Systeme eher dahin gehen Fehler besser zu behandeln. Das natürlich auch, aber wie wärs wenn erstmal keine da wären. Windows ist auch sehr stabil, das will keiner in Frage stellen. Mir geht es nur eher darum das ich weiß zu wem ich gehen kann wenn ich ein Problem habe und selbst wenn keiner da ist, kann ich es immer noch selber lösen, weil ich es nachschauen kann, bis hinunter in den Progammcode. Das das nicht jeder will ist auch klar, aber es geht um das können und nicht um müssen. Ich habe die Kontrolle, über mein System, über meine Programme. Nebenher muss ich übrigens sagen das im Bezug auf Programme, abgesehen von den vielen Open Source Programmen die auf vielen Betriebsystemen laufen Windows mittlerweile echt alt aussieht. Ich find für alles ein Programm ohne Stundenlang danach suchen zu müssen und es ist auch noch umsonst. Das war bei Windows früher mit der aktiven Shareware Szene auch mal so, hat aber unglaublich abgebaut, und selbst Shareware kostet irgendwann.
Zurück zur Kontrolle. Die nachfolgende Argumentation das das Unix Prinzip, auf dem Linux, anders als der Author behauptet, in dem Konzept, aber in keiner Zeile Quellcode aufbaut, alt und aus einer Zeit stammt wo irgendwelche komischen Denkweisen vorherschend waren ist mir total neu.
Abgesehen davon baut Windows aus prinzipien die von VMS stammen aus und das ist aus den 70ern. Welche Zeit war Geschmackvoller, die 60er oder die 70er?
Und das ein unerfahrener Benutzer ein Linux unsicherer machen könnte als ein Windowsbenutzer kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Bei Windows muss man nur mit dem Internet Explorer auf eine falsche Webseite gehen oder auf einen Email Anhang klicken und schon ist das System mit irgendwas infiziert und offen wie ein Scheunentor – bei Linux ist mir das noch nicht passiert. Bis vor Service Pack 2 für Windows XP konnte man nicht mal ein frisch installiertes Windows an das Internet hängen, weil es dann eine Überlebenszeit von einer halben Stunde hatte, bevor es quasi von Würmern ganz zerfressen war. Des weiteren hat Linux eine ganz andere Benutzerphilosophie, das heißt der normale Benutzer kann das System gar nicht unsicher machen, bei Windows hat man immer die vollen Adminstratorrechte, was zwar in dem Artikel erkannt wird – “er ist nicht nur Anwender, sondern gleichzeitig auch immer der Administrator seines eigenen Systems” – aber irgendwie der falschen Seite zugeschrieben wird.
Außerdem hat der Author etwas geschafft was hundertausende von Programmieren übersehen haben herauszufinden, seiner Meinung nach “enthält der Linux-Sourcecode Unmengen von Fehlern”. Viele Köche verderben den Brei, allerdings gilt das nur in der Küche. Bei freier Software gilt das viele Augen viel sehen und selbst bei der kommerziellen Entwicklung ist peer-programming mittlerweile Standard. Außerdem laufen tausende Server (wie er in seinem gestrigen Artikel auch selber festgestellt hat) auf Linux, Novell, IBM, Sun und HP setzen auf Linux als Server- und Clientbetriebsysteme. Anscheinend haben die alle keine Ahnung.
Natürlich ist an der Aussage, das Linux so wenig Probleme hat weil es keine Viren dafür gibt, ein funke Warheit, aber das hat nicht unbedingt auch was mit Sicherheit zu tun. Außerdem sieht man ja das sicherere Software auch zu weniger Problemen führt, unabhängig von der Popularität, oder wo ist die vor ein paar Monaten heraufbeschworene Firefox Malware die sich heimlich installiert?
Und dann kommt schon wieder so ein Hammer: “Doch nur weil Linux in einer Open-Source-Community entstanden ist, werden diejenigen, die damit arbeiten, nicht automatisch freier und unabhängiger im Umgang mit Computertechnologie”. Naja, wenn ich ein tolles Programm finde und es meinem besten Freund gebe dann ist das im Sinne des Erfinders. Wenn ich das 95% der Windowsprogramme mache verstoße ich gegen Copyright, Gesetze und Lizenzen. Wer ist wohl freier?
Wenn ich meine gesammten Programme für Windows schreibe und Microsoft Technologien benutze, dann läuft das ganze nur auf Windows. Wenn ich offene Standards benutze und freie Technologien einsetze, dann läuft es meistens “auch” auf Windows. Wer it wohl abhängiger?
Naja, im großen und ganzen bin ich eigentlich auch der Meinung, das man sich mit Technik und vor allem seinem Betriebsystem möglichst wenig auseinandersetzen sollte. So lange es allerdings die Gefahr gibt, das ein Monopol machen kann was es will, eine Monokultur den Sinn und Nutzen des Internets gefärdet und das ganze auch noch bezahlt werden will, sollte man sich lieber drei mal überlegen ob man sich nicht den Geek um die Ecke holen sollte um ein Linux zu installieren oder zum 100 mal Windows neu installieren will.

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